Mareike Höckendorffs Blog - eine ganz persönliche Sammlung poetischer Dinge, Worte und Situationen

Krimi Hörbuch-Tipp: “Der Tote im Eisfach” von Colin Cotterill

Der ungewöhnliche Ermittler dieser Krimiserie ist ein 73-jähriger laotischer Pathologe. Gesprochen wird das Hörbuch von einem unserer liebsten Leichenbeschauer aus dem Tatort Dr. Börne… Naja, von Jan Josef Liefers halt, ihr wisst schon. ;)

Eine tiefgefrorene Leiche und eine Handgranate

Sehr zu seinem Leidwesen befindet sich Dr. Siri gerade auf einer Konferenz, als seine Assistentin eine neue Leiche entgegen nimmt. Dass dieser Zufall sehr zuträglich für seine leibliche Unversehrtheit war, stellt sich erst viel später heraus. Der Patient war als eine nicht mehr lebende Briefbombe für den ältlichen Pathologen gedacht. Um die Handgranate jedoch im Körper des Toten zu finden, muss dieser erst wieder aufgetaut werden - die neue Leichenkühlkammer ist viel stärker als erwartet - und das alles in Abwesenheit des Chefs. Obwohl seine Mitarbeiter gute Arbeit leisten und die Gefahr abwenden, begibt sich Dr. Siri natürlich selbst auf die gefährliche Mission der Ermittlung seines mutmaßlichen Totfeindes. Dabei lernt er ungewöhnliche Totenbräuche und ein Dorf laotischer Ureinwohner kennen, welches aus einem freundlichen älteren Herrn und seinen zahlreichen Ehefrauen besteht. Nebenbei inszeniert er noch eine schamanistische Zwillingsgeburt und löst so auf verschlungenen Wegen den eigentlichen Fall.

Nicht unkompliziert aber abwechslungsreich gelesen

Dem durch zahlreiche Wendungen gekennzeichneten Plot kann man im Hörbuch nicht einfach so nebenbei folgen. Wer andere Tätigkeiten zusätzlich ausführt, muss Passagen mehrfach anhören, um mitzukriegen, wer von Feind zu Freund und wer von Freund zu Feind wechselt. Dabei sind zahlreiche humoristische Elemente eingebaut, vom selbstironischen Wesens Siris und seiner Mitarbeiter bis zu derben Zoten und schmutzigen Witzen, die in Gesellschaft zum Besten gegeben werden. Jan Josef Liefers versteht es, diese Tonartwechsel gekonnt mit Leben zu füllen. Insgesamt ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Hörbuch für den Liebhaber ungewöhnlicher Kriminalromane in exotischer Kulisse. Und für alle Fans von Jan Josef Leiters und Dr. Karl-Friedrich Börne sowieso. 

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Krimi-Klassiker: Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes” - 2. Das Zeichen der Vier

Eine Dame sucht Sherlock Holmes auf, um ein Mysterium für sie aufzuklären. Seit einigen Tagen bekommt sie einzeln Perlen von großem finanziellen Wert zugesendet. Nun hat sie einen Brief bekommen, in dem ihr unbekannter Gönner sie zu einem Treffen einlädt. Holmes und Watson werden ihr Begleitschutz geben. »Das Zeichen der Vier« ist wieder ein spannender Krimi-Klassiker vom Meister des Detektivromans.

Ein Fall, der bis ins ferne Indien führt

Was könnte anderes hinter dieser Geschichte stecken als ein Schatz, der natürlich Neid und Habgier hervor ruft?! Der geheimnisvolle Financier der Holmes‘schen Kundin stellt sich als Sohn des Besitzers dieses Schatzes heraus. Auf dem Sterbebett hat sein Vater ihm und seinem Bruder gestanden, dass nur die Hälfte des Vermögens ihm zufällt, die andere seinem verstorbenen Kollegen, dem Vater eben jener Dame, die nun in Holmes‘ und Watsons Schutz steht. Dass aber auch dies nicht die ganze Wahrheit über den indischen Goldschatz ist, stellt sich heraus, als die vier den Zwillingsbruder ihres Gastgebers besuchen wollen. Sie finden ihn tot in seinem Zimmer, der Schatz ist gestohlen, das geheimnisvolle »Zeichen der Vier« wurde auf einem Zettel hinterlassen. Natürlich ist Holmes‘ Spürsinn längst erwacht. Die Frage nach der Mordwaffe und eine frische Farbspur bringen ihn auf die Fährte eines Mannes, der sich ebenfalls für lange Zeit in Indien aufgehalten hat. Neben drei Mitverschwörern hat dieser einen treuen Diener an seiner Seite - einen kletternden Pygmäen, der mit Giftpfeilen bewaffnet ist.

Ein ungewöhnlicher Fall mit exotischer Atmosphäre

Dieser zweite Sherlock-Holmes-Roman zeigt vor allem ein interessantes Bild von der Zeit, in der der Autor lebte. Es ist eine Zeit, in der es noch Schatzsucher gab und Dampfschiffe auf der Themse, in der Indien noch britisch war und Naturvölker noch geheimnisvolle »edle Wilde«. Statt in die amerikanische gibt es in diesem Roman einen Ausflug in die britisch-indische Kolonialgeschichte. So ist der zweite Fall für den Detektiv Sherlock Holmes eine Mischung aus Kriminal- und Abenteuerroman, dem der Zeitgeist des 19. Jahrhunderts sehr deutlich anzumerken ist. Das ist zwar historisch oft interessanter als literarisch, trotzdem lohnt es sich, auch diesen Holmes und Watson Krimi zu lesen.

Doyle, Arthur Conan: Das Zeichen der Vier. Insel Verlag. ISBN: 3458350144. Taschenbuchausgabe 7,00 Euro.

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Krimi-Tipp “Zeit der Wut” von Giancarlo de Cataldo und Mimmo Rafele

In diesem Post möchte ich euch einen ganz neuen Krimi vorstellen. Ein ungewöhnlich artistisch komponiertes Werk des italienischen Autorenduos Giancarlo de Cataldo und Mimmo Rafele aus dem Folioverlag. Dabei geht es um nicht weniger als die Frage nach Gut und Böse und der Entscheidung, auf welcher Seite man stehen will.

Die große Wut, die große Liebe und der Mord an einem Polizisten

Der Kriminalroman beginnt - wie viele seines Genres heute - mit einem düsteren Prolog. Ein Mann, der nur “der Kommandant” genannt wird, rettet ein Mädchen aus den Fängen seiner eigenen Söldner, die erst ihren Vater ermordet und sie dann vergewaltigt haben. Der Kommandant erschießt die ehrlosen Männer und verspricht dem Mädchen Schutz. Sie wird ihm ewig treu ergeben bleiben. Ein Zeitsprung versetzt die Leser ins moderne Italien. Der Polizei gelingt ein Coup gegen eine organisierte Verbrecherbande. Dabei tötet der junge Polizist Marco die Männer statt sie, wie von seinem friedfertigen Vorgesetzten befohlen, zu verhaften. Wieder wechselt die Szenerie. Diesmal zeigen die Autoren einen jungen Kommunisten, der auf ein rätselhaftes blondes Mädchen trifft, mit dem er nur eine Nacht verbringt und sich doch unsterblich in sie verliebt. Am nächsten Tag werden die beiden entführt. Unter Androhung von Folter und Mord an der jungen Frau zwingen die Entführer den Salonterroristen zum Mord an einem Polizisten. Es ist der pazifistische Vorgesetzte Marcos und der Freund des von nun an erbittert ermittelnden Lupos.

Doch damit löst sich der kaleidoskopartige Erzählstil keineswegs in eine lineare Handlung auf.  Vielmehr folgt der Leser in den verschiedenen Abschnitten immer anderen Perspektiven. Mal ist der junge Marco im Fokus, den seit seiner Jugend ein schier unbezähmbares Gefühl plagt, dass er die “WUT” nennt. Dann erfährt man mehr über den Terroristen, der feststellt, dass er viel eher ein großer Liebender ist. Schließlich kann er auch dann noch nicht von dem rätselhaften Mädchen ablassen, als er längst weiß, dass sie eine tiefdunkle Seite besitzt. So ist der Hauptermittler Lupo mit seiner Geschichte auch nur ein weiteres Mosaiksteinchen im Gesamtgefüge dieses Falles, ebenso wie sein Freund und Kollege, der starb, weil er zu viel wusste.

Ein sehr literarischer und hochspannender Krimi

Nicht nur die ungewöhnliche Erzählweise macht diesen Krimi zu einem ganz besonderen Lesevergnügen. Der Stil ist schlicht und unverblümt, die Ereignisse sind hingegen gekonnt verstrickt und ergeben ein Netz in dem Gut und Böse selten klar voneinander unterschieden werden können. Ebenso wie die Figuren erfährt der Leser erst nach und nach und immer nur in Bruchstücken Einzelheiten zu dem Fall und den Hauptfiguren. Diese literarische Strategie macht “Zeit der Wut” nicht nur zu einem besonders vielseitigen, sondern auch zu einem hochspannenden Kriminalroman. Hinzu kommt, dass es Cataldo und Rafele gelingt, stets den Eindruck der Authentizität zu wahren. Das liegt zum einen daran, dass sie so komplexe Themen wie Korruption in ihre Fallkomposition einweben, zum Anderen aber auch an der feinen Figurenzeichnung. Keiner der Charaktere könnte als aalglatt bezeichnet werden, alle haben ihre Ecken und Kanten oder gar, wie im Falle Marcos oder des Mädchens Rosanna, eine ausgeprägte dunkle Seite. So kommt zu der Lösung des Falles noch die spannungssteigernde Frage, auf welcher Seite die Protagonisten eigentlich stehen, wer dem Guten und wer dem Bösen dient.  

Ich habe diesen Kriminalroman äußerst gerne gelesen. Einziges Manko ist - wie so oft in so einem Falle - dass er viel zu schnell zu Ende geht. Nicht nur, dass es sich bei »Zeit der Wut« wahrlich nicht um einen Wälzer handelt, führt zu einem raschen Lesetempo.  Der abwechslungsreiche Stil und die kurz gehaltenen Kapitel führen dazu, dass selbst kurze Arbeitspausen oder U-Bahnfahrten zum Weiterlesen genutzt werden können. So ist die »Zeit der Wut« bald an einem vorbei gerauscht - das Warten auf einen neuen Kriminalroman des Autorenduos Giancarlo de Cataldo und Mimmo Rafele wird einem danach umso länger vorkommen. 

Cataldo, Giancarlo de; Rafele, Mimmo: Zeit der Wut. Folioverlag ISBN 978-3-85256-592-7 gebundene Ausgabe 22,90 Euro  

Ich danke dem Verlag und der Plattform Blogg dein Buch für das Bereitstellen des Leseexemplares.

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