Mareike Höckendorffs Blog - eine ganz persönliche Sammlung poetischer Dinge, Worte und Situationen

So it had happened—and with the minimum of drama; Nicole felt outguessed, realizing that from the episode of the camphor-rub, Dick had anticipated everything. But also she felt happy and excited, and the odd little wish that she could tell Dick all about it faded quickly. but her eyes followed his figure until it became a dot and mingled with the other dots in the summer crowd. By "Tender is the Night" by F. Scott Fitzgerald

Das Zeitalter der Information?

Das Zitat von Walter Benjamin, das ich vor diesem Post hier zitiert habe, ist mir bei meiner Beschäftigung mit Fakt und Fiktion über den Weg gelaufen. Es ist nun bereits rund 50 Jahre her, dass er geschrieben hat, dass kaum mehr Erzählung unsere Welt beherrscht, sondern nur noch Information. Nun, ich frage mich, ob das auch heute noch zutrifft…

Informationen und vor allem Kurznachrichten beherrschen unseren Alltag heute schon sehr. Bei mir persönlich beginnt das schon am frühen morgen mit dem NDR-Info-Radiowecker. Es folgt ein Blick auf meine Emails, geleitet von dem Interesse, ob an diesem Tag etwas wichtiges anliegt. Facebook berichtet mir “5 ihrer Freunde haben diese Woche Geburtstag” und teilt mir neueste Status- und Ortsmeldungen mit. Ich gehe weiter zu Twitter. Viele mit interessanten Links versehene Tweets buhlen um meine Aufmerksamkeit, ich weiß, dass sich hier auch einige Blogperlen verstecken ;) .

Doch ich glaube, dass unser Alltag auf der anderen Seite auch mehr denn je literarisiert ist. Die erzählende Kunst hat einen großen Stellenwert in unserer Kultur. Ich bin nicht sicher, ob es allein J.K.Rowling zu verdanken ist (ich bezweifle das eher), dass wir auch mehr und mehr Geschichten in unser Leben integrieren, die von einer Welt berichten, die der Unsrigen doch eher fern erscheint. Das Kino, das Fernsehen und viele, viele Bücher bieten die Möglichkeit der Lust an der Erzählkunst zu frönen. Dies lockt nicht nur viele Leser an, sondern auch viele (Hobby-)Autoren, die sich mit diesen Fantasiewelten beschäftigen.

Selbst die Medien, die ich oben aufzählte, um zu zeigen wie viele Informationen wir finden können, wenn wir danach suchen, werden ebenso genutzt, um Geschichten zu erzählen. Manchmal sind es persönliche Geschichten, wie z.B. auf Facebook. Hier kann sich jeder eine virtuelle Identität erschaffen, die manchmal gar nicht mal so viel mit der Realität zu tun hat. Auch die 140-Zeichen-Verdichtungsmaschine Twitter schreit geradezu nach literarisch ambitionierten Menschen. Verdichtung, das ist schließlich auch ein Kern vom Erzählen. Und natürlich von der Dichtung. Auf vielen Blogs kann man neben Informationen auch literarische Experimente finden.

Ich glaube (und freue mich darüber) Herrn Benjamin heute berichten zu können, dass die Erzählung sich unsere Realität zurück erobert. Das würde ihn bestimmt freuen, wenn er auf uns herunter schauen könnte…

Wenn die Kunst des Erzählens selten geworden ist, so hat die Verbreitung der Information einen entscheidenden Anteil an diesem Sachverhalt. Jeder Morgen unterrichtet uns über die Neuigkeiten des Erdkreises, und doch sind wir an merkwürdigen Geschichten arm. Das kommt, weil uns keine Begeben mehr erreicht, die nicht mit Erklärungen schon durchsetzt wäre. Mit anderen Worten: beinahe nichts mehr, was geschieht, kommt der Erzählung, beinah alles der Information zugute.
(Walter Benjamin)