Mareike Höckendorffs Blog - eine ganz persönliche Sammlung poetischer Dinge, Worte und Situationen

Und noch ein Neuseeland-Krimi: Paul Cleave “Der siebte Tod”

imageEin ungewöhnlicher und irgendwie auch eigenartiger Krimi ist “Der siebte Tod” von Paul Cleave. Ermittler und Protagonist ist Joe “Der Schlächter von Christchurch”, Mörder von sechs Frauen. Grund seiner Nachforschungen ist das Auftauchen einer siebten Leiche. Ihr Mord wird mit ihm in Verbindung gebracht, obwohl er die Frau noch nie zuvor gesehen hat, jemand möchte ihm etwas unterjubeln und das gefällt Joe gar nicht. Der Leser begibt sich in die Gedankenwelt Joes, eine Reise, die wahrlich nicht immer angenehm ist.

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Deutsche Indie-Autoren 3: “Mein Bruder der Nichtraucher” von Thorwald Börner

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Es ist noch gar nicht so lange her, da beherrschte ein Buch die Sachbuch-Bestseller, dessen Titel “Irre - wir behandeln die Falschen” hieß. Thorwald Börner erzählt in seinem Buch eine ganz andere Geschichte. Wir behandeln die Richtigen, aber behandeln wir sie richtig? Scheint die entscheidende Frage zu sein, die seinen “Geschichten aus der Psychiatrie” zugrunde liegt. Ein interessanter Blick in den Alltag derjenigen, die gern aus dem gesellschaftlichen Alltag ausgeschlossen werden

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Skandinavien-Krimi: Kristina Ohlssons “Tausendschön”

Ich unterbreche meine Reihe zu neuseeländischer Literatur und deutschen Indie-Autoren, um euch einen skandinavischen Krimi vorzustellen, den ich im Rahmen von Blogg dein Buch lesen durfte. Ein spannendes Drama um eine Pastorenfamilie, die sich für Flüchtlinge engagierte.

Diebstähle, ein Mord, ein Unfall und zwei verschwundene junge Frauen

Der Roman beginnt mit drei Fällen, die scheinbar unzusammenhängend sind. Zunächst einmal sind da eine Reihe von Überfällen auf Geldtransporter, die das Dezernat für Diebstahl in Atem halten. Als bei einem dieser Überfälle ein junger Araber überfahren wird, muss jedoch auch die Mordkommission eingeschaltet werden. Die ist allerdings gerade mit dem kuriosen Selbstmord eines Pastorenpaares beschäftigt. Keiner im Umfeld der sozial engagierten Eheleute scheint wirklich an den erweiterten Suizid zu glauben. Wahrscheinlicher scheint, dass einer der Flüchtlinge, die Pastor Johann vor Jahren bei sich versteckte, sich gegen seinen Wohltäter gewendet haben könnte. An Informationen aus dem inneren Familienkreis kommt die Polizei aber nicht heran, da eine der Töchter verstorben, die andere spurlos verschwunden ist.

Eine Flucht nach Bangkok und ein neuer Schmugglerring

Der Leser erfährt hingegen von Beginn an mehr als die Ermittler. Er lernt eine junge Frau kennen, die sich in Bangkok plötzlich mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert sieht. Ihre Email-Accounts sind gelöscht, ihre Papiere werden gestohlen und die Telefone ihrer Eltern sind abgemeldet. Den Namen der jungen Frau erfahren wir nicht, nur, dass sie eines Tages in der Zeitung liest, dass ihre Eltern nicht mehr am Leben sind. Außerdem steht dort der Name einer verstorbenen jungen Frau, ein Name, den sie nun wirklich nicht erwartet hätte.

Am anderen Schauplatz des Romans, in Schweden, lernt der Leser dieses Kriminalromans noch ein weiteres Schicksal kennen. Ali hat alles hinter sich gelassen: Seine Familie, seine Heimat, seine Freunde. Er konnte sich die Flucht aus dem Iran nur leisten, weil er einen “neuen Weg” gefunden hat. Ein Netzwerk schmuggelt Flüchtlinge zu ungewöhnlichen Konditionen. Wer fliehen will, darf niemandem von seiner Flucht erzählen, zahlt dafür aber weniger als üblich und muss in seiner neuen Heimat einen Auftrag erledigen. Dafür bekommt er echte Papiere. Ali hat sich an alles gehalten. Er hat nicht einmal seiner Frau von seiner Abreise erzählt und nun ist er in Schweden und wartet auf seine Aufgabe. Er hat lediglich heimlich einem Freund in Schweden von seiner Ankunft berichtet. Doch seine Helfer scheinen davon nichts zu ahnen…

Ein muss für Fans skandinavischer Krimis

"Tausendschön" ist in bester skandinavischer Krimitradition geschrieben. Der Fall zeigt ebenso viel von der skandinavischen Gesellschaft wie von weltpolitischen Zusammenhängen, genauso wie das Motiv eine Mischung aus politischer Anschauung und persönlichen Erlebnissen ist. Die Zusammenhänge sind vielschichtig und werden erst am Ende komplett aufgelöst. Trotzdem dieser Krimi alle Zutaten hat, die sich z.B. auch in Henning Mankells "Der Chinese" finden, kommt allerdings selten eine vergleichbare Hochspannung auf. Dafür erfährt der Leser alles über die Familienverhältnisse der Ermittler, die in sehr großer Zahl auftreten. Obwohl Kristina Ohlsson die Privatleben ihrer Figuren nicht langweilig gestaltet, fehlt mir persönlich doch etwas die zentrale Ermittlerpersönlichkeit. Ich habe den Roman zwar gerne gelesen, würde aber nicht atemlos auf Folgeromane warten, wie es bei Jo Nesbö, Jussi Adler Ohlsen oder Arnaldur Indridason für mich der Fall ist. Wenn ihr also mal wieder einen schönen skandinavischen Krimi lesen möchtet, während ihr auf einen neuen Fall eures persönlichen Lieblingsermittler wartet, nehmt "Tausendschön" von Kristina Ohlsson - es lohnt sich.

Ohlssen, Kristina: Tausendschön. Limes-Verlag 2012: ISBN: 9783809025924. 19,99 Euro.


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Neuseeland-Roman: “Die Forrests” von Emily Perkins

Der zweite Roman in meiner Reihe über neuseeländische Literatur ist “Die Forrests” von Emily Perkins. Die Autorin war in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast, wo sie ihren neuen Roman vorstellte. Es sei ein Roman über die Zeit, so sagte sie, ein Roman über die Liebe und über Familie. Dabei blieb offen, ob sie nun eher einen Frauenschmöker schreiben oder das große neuseeländische Familienepos entwerfen wollte. Gespannt ging ich nach dieser Begegnung selbst an die Lektüre von “Die Forrests”.

Insgesamt wirkt der Roman zunächst etwas unstrukturiert. Der Leser wird zu Beginn mit den Forrest-Kindern bekannt gemacht. Drei Schwestern, ein Bruder und ein Pflegekind wachsen zusammen auf, wobei das Setting vom Familienanwesen zu einer Community und zurück wechselt. Die Eltern führen zunächst eine unruhige Beziehung, finden dann aber wieder zusammen. Die Perspektive springt von einem Kind zum anderen und lange bleibt unklar, wer denn eigentlich der Protagonist dieser Familiensaga ist. Relativ spät verharrt der Fokus auf Dorothy und ihrer glücklosen Liebe zu ihrem Pflegebruder.

Ein ganz normales Leben

Als Dorothy merkt, dass diese Liebe zum Scheitern verurteilt ist, sucht sie sich so schnell wie möglich einen neuen Partner mit dem sie - obwohl sie noch sehr jung ist - gleich eine Familie gründet. Von nun an widmet sie sich ganz und gar ihren Aufgaben als Mutter und konzentriert sich darauf, jedes Jahr einem neuen Kind das Leben zu schenken. Aus dieser fast schon zur Routine verkommenen Lebensart wacht sie erst auf, als ihre Lieblingsschwester nach einem Unfall ums Leben kommt. Von nun an bekommt Dorothy keine neuen Kinder mehr, sondern verfällt in eine eigenartige Lethargie. Sie geht nicht mehr auf die Straße, lässt ihren Körper verfallen und versinkt in Trägheit. Von ihrem Mann ist selten die Rede, dafür lassen sie die Gedanken an ihre große Liebe nicht los. Eine zufällige Begegnung mit einem Mechaniker sorgt schließlich dafür, dass sie sich wieder hinauswagt - eine neue Wende tritt in Dorothys Leben. Sie beschließt wieder zu arbeiten. Sie fängt bei einer sozialen Organisation an, die sich um junge Mütter kümmert. Als Dorothy bereits Großmutter ist, beschließt sie, sich von ihrem Mann zu trennen. Sie zieht bei ihrer Tochter ein, bis deren kleine Familie die zunehmend tüddelig werdende alte Frau nicht mehr versorgen kann.

Für meinen Geschmack wirkt die Protagonistin und damit auch der gesamte Roman etwas zu sehr dem Zufall überlassen, um sie mögen zu können. Sie hängt ihrer alten Liebe nach, von der sie jedes Jahr eine Postkarte aus einem anderen Teil der Erde bekommt, ergreift aber nie die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu verändern. Alle Entscheidungen scheinen zufällig getroffen zu werden. So plätschert der Roman etwas dahin - die große Dramatik bleibt angesichts einer alles hinnehmenden Hauptfigur aus. Über neuseeländische Lebensart erfährt man wenig, abgesehen von der Tatsache, dass Familien sich häufig in ferne Länder verstreuen, um dort mehr Raum für berufliche oder private Entfaltung zu bekommen. Nur Dorothy bleibt stehen und gibt sich mit dem zufrieden, was in ihre Reichweite kommt.

Das große neuseeländische Familienepos…

…ist der Autorin mit “Die Forrests” wohl eher nicht gelungen. Trotzdem ist der Roman eine kurzweilige Lektüre. Tatsächlich gelingt es Emily Perkins, anhand ihrer Protagonistin die Themen Zeit und Vergänglichkeit zu porträtieren. Jede Phase ihres Lebens erscheint in einem ganz eigenen Licht und zeigt so, wie veränderbar eine Identität sein kann. Ich habe darum den Roman trotz seiner kleinen Schwächen gern gelesen, auch wenn mir Carl Nixons “Rocking Horse Road” noch besser gefallen hat.

Perkins, Emily: Die Forrests. ISBN: 3827010764. Berlin Verlag 2012. 19,99 Euro.

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Märchen mal anders? Das wilde Dutzend bringt “Wer kann für böse Träume - The Secret Grimm Files” heraus

200 Jahre ist es nun her, dass die Gebrüder Grimm die “Deutschen Hausmärchen” herausbrachten. Sie hätten sie fleißig gesammelt und genau so aufgeschrieben, wie sie ihnen erzählt wurden, so sagten sie. Jahrhunderte alte mündliche Erzähltradition könnten so für die Nachwelt überliefert werden, so sagten sie. Inzwischen wurde oft angemekrt, dass die Brüder viel eigene Fiktion in die Märchen hinein brachten. Die geheimnissevolle Loge “Das wilde Dutzend” habe nun Originalmaterial an Künstler weitergegeben, damit diese neue, authentischere Fiktionen schaffen. Dies ist die Geschichte, die “Wer kann für böse Träume” erzählt.

15 Märchen mal anders

Die Geschichten, die die 15 Autoren darin erzählen sind Märchen der Gebrüder Grimm neu-, weiter- oder umerzählt. Mal wird der Frage nachgegangen, was eigentlich mit Rapunzel und ihren zwei unehelichen Kindern nach der Verbannung in die Steppe passierte. Ein anderes Mal wird die Idee impliziert, dass Gold und Pech zwei Seiten derselben Marie sein könnten. Wieder ein anderes Mal wird uns ein Junge vorgestellt, der als Teufel angeklagt und mit drei goldenen Nadeln zu Tode gefoltert wird. Hinzu kommen zu jeder Geschichte ein paar Quellen, die eine Ahnung dessen geben, was die Idee zur Neuerzählung gewesen ist. Dabei wird sorgsam der Schein gewahrt, dass hier auch Originalmaterialien der Gebrüder Grimm genutzt worden sein könnten. Gleichzeitig liegt über allem der Mantel der Fiktion. Ein ungewöhnliches Leseerlebnis, das die Märchen der Gebrüder Grimm keineswegs entzaubert, sondern eher zu noch größerer Vieldeutigkeit verhilft.

Eine düstere, eine zauberhafte Lektüre

Mal bringen die Märchen des wilden Dutzends ihren Lesern ihre berühmten Vorfahren näher, lassen die Geschichten der Gebrüder Grimm realistischer erscheinen. Sie erzählen dann von Prostitution, Folter, Ehebruch oder psychischen Leiden und wie diese märchenhaft verschleiert oder im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt wurden. Dann wieder erzählen die neuen Märchen ebenso oder noch stärker von Zauber und Hexerei wie die Klassiker der Gebrüder Grimm. Diese 15 Märchen sind so unterschiedlich in Thematik und Gestaltung, da jeder Autor seine ganz eigene Interpretation in den jeweiligen Text legt. trotzdem verbindet sie eine märchenhafte Erzählweise untereinander und mit der Erzähltradition, die auch die Brüder Grimm zu konservieren versuchten. So ist insgesamt kein Aufklärungsbuch entstanden. Eine Entzauberung unserer Lieblingsmärchen ist von “Wer kann für böse Träume” nicht zu fürchten. Und doch bekommt man als Leser eine Idee davon, wie die Fiktionen der Gebrüder wirken konnten, wie eine Geschichte desselben Kerns eine ganz andere Wendung bekommen kann - kurz: Wie Märchen entstehen. So wurde den Märchen, die seit 200 Jahren konserviert wurden, ein Anstoß gegeben, der wieder Raum schafft für neue Ideen, neue Deutungen. Wenn “Wer kann für böse Träume” auch wieder ein Buch ist und darum die Märchen nicht zur mündlichen Überlieferung zurückführt, so gibt es doch einen neuen Anstoß in den Köpfen seiner Leser, dritte, vierte oder fünfte Varianten zu erdenken. Ich habe dieses Buch geradezu verschlungen, werde es aber wohl noch öfter in die Hand nehmen, wenn mir an dunklen Herbstabenden mal wieder nach Tee, Kerzenschein und Märchen ist. Ich kann euch diese wundersame Lektüre nur wärmstens empfehlen.

Ich danke http://www.bloggdeinbuch.de und dem Wilden Dutzend (www.das-wilde-dutzend.de) für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Das wilde Dutzend: Wer kann für böse Träume - The Secret Grimm FilesISBN: 978-3-9815252-0-5 Das wilde Dutzend Verlag 2012, 18,90 Euro

Historischer Roman “Die Sprache der Schatten” von Susanne Goga

Ich habe erneut eine Leserunde auf der Buchcommunity-Plattform http://lovelybooks.de mitgemacht. Diesmal stürzte ich mich in ein Genre, das mir sonst eigentlich wenig zusagt und wurde Testleserin für einen historischen Roman. Grund für das Wagnis war, dass sich die Autorin Susanne Goga einem ungewöhnlichen Thema angenommen und über einen Maler geschrieben hat, dessen merkwürdig realistische Bilder gänzlich ohne Gesichter auskommen. 

Die reiche Witwe und der arme Künstler

Natürlich ist die Geschichte des Malers genretypisch in eine rahmende Liebesgeschichte verpackt und natürlich geht es genretypisch um eine für ihre Zeit etwas zu eigensinnige Frau. Rika ist die Witwe eines Kleiderfabrikanten, der ihr neben Haus und Vermögen auch noch zwei Stiefkinder aus erster Ehe hinterlassen hat. Der älteste Sohn ist nur wenig jünger als seine Stiefmutter und hofft vom Vater nicht nur die Leitung der Fabrik, sondern auch die Zuneigung Rikas übernehmen zu können. Um ihre Gunst zu erwerben, schenkt er ihr ein Bild, dass sie außerordentlich berührt. Es ist das Bild einer Straßenszenerie, realistisch bis auf das Detail, dass keine Gesichter dargestellt sind. Das Freien ihres Stiefsohnes ebenso ignorierend wie den ersten Liebeskummer ihrer Stieftochter, die statt des reichen Kaufmanns, den ihr Bruder für sie vorgesehen hat, lieber den sensiblen jüdischen Jungen David Löwenstein ehelichen möchte, macht Rika  sich auf die Suche nach dem ungewöhnlichen Maler. Sie findet ihn in den engen  Gassen der spandauer Vorstadt.

Viel Lokalkolorit, reichlich Geheimnis und Intrige und ein Hauch verbotener Liebe

Durch sehr genaue Beobachtungen und Beschreibungen von Orten oder Ortsteilen gelingt es Susanne Goga in “Die Sprache der Schatten” ein reiches atmosphärisches Bild zu schaffen. Sowohl das Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts als auch die Vorstadt und eine geschäftliche Reise Rikas nach Mönchengladbach werden so genau geschildert, dass im Kopf des Lesers ein detailliertes Bild entstehen kann. Dabei fängt sie nicht nur Landschaftsimpressionen auf, sondern schildert auch Sprache und Gewohnheiten der reichen und der armen Gesellschaft so gekonnt, dass sie geradezu spürbar werden. Das Schicksal des Malers, dem Rika unter allen Umständen auf die Schliche zu kommen versucht, wird hingegen fast schon etwas zu stark aufgebauscht. Die Liebesgeschichte zwischen Rika  und dem vom Leben gezeichneten Mann bleibt zart und dezent erzählt. Etwas zu kurz kommt die Geschichte einer weiteren verbotenen Liebe. Ein Geschäftspartner von Rikas Stiefsohn musste seine Heimatstadt und seinen Lebenspartner verlassen, um seine Homosexualität in der anonymen Masse der Großstadt Berlin zu verbergen. Ein interessantes zeitgeschichtliches Detail, das mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Insgesamt fand ich es wieder spannend an dieser Leserunde teilzunehmen. Die Meinungen waren dieses Mal nicht ganz so kontrovers wie beim letzten Mal, die meisten hatten grundsätzlich Spaß an der Lektüre. Ich denke ein Grund dafür ist, dass Susanne Goga viele Identifikationsangebote macht. So konnte, wer Rika nicht mochte mit ihrer Stieftochter mitleiden,  einem gefiel die Detailtiefe der Ortsbeschreibungen,   während ein Anderer mehr an Kunst und Mode der Zeit interessiert war. Auch für keine ausgemachten Fans des historischen Romans, wie mich, ist “Die Sprache der Schatten” ein kurzweiliger und abwechslungsreicher Zeitvertreib.

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Krimi Hörbuch-Tipp: “Der Tote im Eisfach” von Colin Cotterill

Der ungewöhnliche Ermittler dieser Krimiserie ist ein 73-jähriger laotischer Pathologe. Gesprochen wird das Hörbuch von einem unserer liebsten Leichenbeschauer aus dem Tatort Dr. Börne… Naja, von Jan Josef Liefers halt, ihr wisst schon. ;)

Eine tiefgefrorene Leiche und eine Handgranate

Sehr zu seinem Leidwesen befindet sich Dr. Siri gerade auf einer Konferenz, als seine Assistentin eine neue Leiche entgegen nimmt. Dass dieser Zufall sehr zuträglich für seine leibliche Unversehrtheit war, stellt sich erst viel später heraus. Der Patient war als eine nicht mehr lebende Briefbombe für den ältlichen Pathologen gedacht. Um die Handgranate jedoch im Körper des Toten zu finden, muss dieser erst wieder aufgetaut werden - die neue Leichenkühlkammer ist viel stärker als erwartet - und das alles in Abwesenheit des Chefs. Obwohl seine Mitarbeiter gute Arbeit leisten und die Gefahr abwenden, begibt sich Dr. Siri natürlich selbst auf die gefährliche Mission der Ermittlung seines mutmaßlichen Totfeindes. Dabei lernt er ungewöhnliche Totenbräuche und ein Dorf laotischer Ureinwohner kennen, welches aus einem freundlichen älteren Herrn und seinen zahlreichen Ehefrauen besteht. Nebenbei inszeniert er noch eine schamanistische Zwillingsgeburt und löst so auf verschlungenen Wegen den eigentlichen Fall.

Nicht unkompliziert aber abwechslungsreich gelesen

Dem durch zahlreiche Wendungen gekennzeichneten Plot kann man im Hörbuch nicht einfach so nebenbei folgen. Wer andere Tätigkeiten zusätzlich ausführt, muss Passagen mehrfach anhören, um mitzukriegen, wer von Feind zu Freund und wer von Freund zu Feind wechselt. Dabei sind zahlreiche humoristische Elemente eingebaut, vom selbstironischen Wesens Siris und seiner Mitarbeiter bis zu derben Zoten und schmutzigen Witzen, die in Gesellschaft zum Besten gegeben werden. Jan Josef Liefers versteht es, diese Tonartwechsel gekonnt mit Leben zu füllen. Insgesamt ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Hörbuch für den Liebhaber ungewöhnlicher Kriminalromane in exotischer Kulisse. Und für alle Fans von Jan Josef Leiters und Dr. Karl-Friedrich Börne sowieso. 

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Krimi-Klassiker: Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes” - 2. Das Zeichen der Vier

Eine Dame sucht Sherlock Holmes auf, um ein Mysterium für sie aufzuklären. Seit einigen Tagen bekommt sie einzeln Perlen von großem finanziellen Wert zugesendet. Nun hat sie einen Brief bekommen, in dem ihr unbekannter Gönner sie zu einem Treffen einlädt. Holmes und Watson werden ihr Begleitschutz geben. »Das Zeichen der Vier« ist wieder ein spannender Krimi-Klassiker vom Meister des Detektivromans.

Ein Fall, der bis ins ferne Indien führt

Was könnte anderes hinter dieser Geschichte stecken als ein Schatz, der natürlich Neid und Habgier hervor ruft?! Der geheimnisvolle Financier der Holmes‘schen Kundin stellt sich als Sohn des Besitzers dieses Schatzes heraus. Auf dem Sterbebett hat sein Vater ihm und seinem Bruder gestanden, dass nur die Hälfte des Vermögens ihm zufällt, die andere seinem verstorbenen Kollegen, dem Vater eben jener Dame, die nun in Holmes‘ und Watsons Schutz steht. Dass aber auch dies nicht die ganze Wahrheit über den indischen Goldschatz ist, stellt sich heraus, als die vier den Zwillingsbruder ihres Gastgebers besuchen wollen. Sie finden ihn tot in seinem Zimmer, der Schatz ist gestohlen, das geheimnisvolle »Zeichen der Vier« wurde auf einem Zettel hinterlassen. Natürlich ist Holmes‘ Spürsinn längst erwacht. Die Frage nach der Mordwaffe und eine frische Farbspur bringen ihn auf die Fährte eines Mannes, der sich ebenfalls für lange Zeit in Indien aufgehalten hat. Neben drei Mitverschwörern hat dieser einen treuen Diener an seiner Seite - einen kletternden Pygmäen, der mit Giftpfeilen bewaffnet ist.

Ein ungewöhnlicher Fall mit exotischer Atmosphäre

Dieser zweite Sherlock-Holmes-Roman zeigt vor allem ein interessantes Bild von der Zeit, in der der Autor lebte. Es ist eine Zeit, in der es noch Schatzsucher gab und Dampfschiffe auf der Themse, in der Indien noch britisch war und Naturvölker noch geheimnisvolle »edle Wilde«. Statt in die amerikanische gibt es in diesem Roman einen Ausflug in die britisch-indische Kolonialgeschichte. So ist der zweite Fall für den Detektiv Sherlock Holmes eine Mischung aus Kriminal- und Abenteuerroman, dem der Zeitgeist des 19. Jahrhunderts sehr deutlich anzumerken ist. Das ist zwar historisch oft interessanter als literarisch, trotzdem lohnt es sich, auch diesen Holmes und Watson Krimi zu lesen.

Doyle, Arthur Conan: Das Zeichen der Vier. Insel Verlag. ISBN: 3458350144. Taschenbuchausgabe 7,00 Euro.

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Krimi-Klassiker: Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes” - 1. Eine Studie in Scharlachrot

Wenn einem Buch ein solcher Ruhm voraus eilt wie Arthur Conan Doyles absolutem Krimi-Klassiker “Sherlock Holmes”, dann passiert es nicht selten, dass man enttäuscht wird, wenn man das Original in die Hand nimmt. Um es kurz zu machen: Dieser Klassiker hält, was er verspricht. Trotz der und manchmal sogar gerade durch die altmodische Sprache und die sperrigen Charaktere erzeugt Doyle nicht nur Spannung, sondern ein vielschichtiges Leseerlebnis. 

Eine Studie in Scharlachrot

…ist der erste Roman um den eigentümlichen Privatermittler aus der Baker Street 221. Er arbeitet gerade an einer chemischen Methode zum Nachweis von Blut auf gereinigten Textilien als ihm ein Bekannter einen potentiellen Mitbewohner vorstellt. Der Militärarzt Dr. John Watson hat einen Einsatz in Afganistan hinter sich und kommt mit einer Schulterverletzung nach London zurück. Es dauert keine zwei Tage bis die neue WG gegründet ist, die sich beinahe noch schneller zu einer Arbeitsgemeinschaft weiter entwickelt. Berichtet wird dem Leser alles aus der Sicht John Watsons, dem es, wie der Leser nebenbei erfährt, ein Bedürfnis ist, die Methode von Holmes auch zu öffentlichem Ruhm zu bringen.

Ein rätselhafter Fall, eine rasante Aufklätung

Der erste Fall der Beiden erzählt von zwei Ermordeten und einem Täter, der auch ein Opfer ist, von Religion und amerikanischer Geschichte. Todesursache ist im ersten Fall ein Gift. Im Zweiten findet Sherlock zwei Tabletten bei dem erschlagenen Opfer - eine vergiftete und eine harmlose. Holmes und Watson suchen nach einem Mann mit ungewöhlicher nahezu scharlachroter Gesichtsfarbe, der viel zu früh seine Verlobte verloren hat. Woher Sherlock Holmes das weiß, obwohl sonst nix über die Opfer bekannt zu sein scheint? Die Antwort ist Deduktion - das Geheimnis der Schlussfolgerung und ziemlich einfach, wenn man den IQ des Detektiv-Sonderlings hat. Hier mehr zu verraten würde bedeuten, die Spannung zu gefährden.

Ein wahrer Spurenleser und subtiler Spannungsaufbau

Es ist schon erstaunlich aus heutigen Augen auf den rund 100 Jahre alten Kriminalroman zu schauen. Trotzdem wir spannungsverwöhnt sind von atemberaubenden Thrillern, kann der Altmeister nach wie vor mithalten. Mehr noch, wir scheinen es hier mit dem Urbild des Spurenlesers zu tun zu haben, bei dem so erfolgreiche Ermittler wie der amerikanische Spurensicherungsexperte Lyncoln Rhyme in die Lehre gegangen zu sein scheinen. Dabei kommt Doyle ohne Splattereffekte oder übertriebene Spannungstechniken aus. Dafür ist aber die Konstruktion des Plots ungewöhnlich intelligent. Ich habe den ersten Sherlock-Holmes-Roman an einem Abend mit viel Freude durchgelesen und kann euch nur empfehlen, den Altmeister des Kriminalromans im Original zu lesen.

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